Progression statt Perfektion...

Eine fiktive Geschichte mit wahrem Kern...


...schon als kleines Kind war er fasziniert von Allem was rollen konnte, Rollen hatte oder sich drehte. Kein Wunder, dass er, sobald er laufen konnte, versuchte den Fußball seines großen Bruders durch die Wohnung zu schießen und später im Garten das kleine Hockeytor auf der anderen Seite des Rasens zu treffen. Was seiner Mutter schon sehr früh auffiel, konnte bis zu seinem fünften Lebensjahr niemand mehr leugnen. Er hatte eine kaum zu bändigende Freude am Fußball.


Sein Vater, der kurz bevor seine Mutter mit ihm Schwanger wurde eine neue Stelle angenommen hatte und ihm damit ein enormer Karrieresprung gelang, war sich zu diesem Zeitpunkt der Verantwortung, die diese Entscheidung mit sich brachte, nicht bewusst. Selten zuhause und zunehmend damit beschäftigt deutschlandweit die Firma zu vertreten, bekam er die Entwicklung seines Sohnes nur aus der Ferne mit. Die Erzählungen seiner Frau und die wenigen gemeinsamen Momente mit seinem Sohn erfüllten den Vater mit Stolz . Auf finanziellem Wege war der Vater in der Lage im alles zu ermöglichen.

So kam es, dass er mit acht Jahren das erste Mal in ein Fußballferienlager, welches in der Regel durch Stipendien finanziert wurde, fuhr. Der Tag der Abreise kam. Aufgeregt und voller Vorfreude stand er mit seiner Mutter und seinem Vater, der sich mit einem der Trainer unterhielt auf dem Parkplatz des Stadions. Voller Stolz wurde über seine Begeisterung zum Fußball erzählt. So kam es, dass der Vater ein Aussage traf, welche sich im Kopf eines achtjährigen einbrennen kann und dies auch tat. Eine Aussage, deren Tragweite sich erst Jahre später zeigen sollte. Ein Missverständnis des Vaters, der Begeisterung und Faszination für Fußball mit Talent gleichsetze. Die wenigen, jedoch sehr intensiven, Momente und die finanzielle Unterstützung ließen für den Jungen zu diesem Zeitpunkt keinen Zweifel mehr zu. Er war der Ansicht, dass er nicht nur talentiert war. Er hatte eine Gabe. Er war etwas Besonderes.


Die wachsenden finanziellen Mittel des Vaters wurden, in den darauffolgenden Jahren im Fußballverein, gern angenommen, was dazu führte, dass er in den Gesprächen, die seine Eltern abseits des Platzes führten, weiterhin ein besonderer Junge und ein sehr talentierter Fußballer war. Dies spiegelte sich auch in seinen Zahlen wider. Er schoss den Großteil der Tore und war letztlich an jedem weiteren maßgeblich beteiligt. Seine Familie oder Freunde, ganz speziell sein Vater, würden es sich nie eingestehen, doch zum Großteil lag es am Ruf, der ihm vorauseilte. Darüber hinaus hatte er ein Selbstbild entwickelt, welches seine Gegner einschüchtere und ihm Räume gewehrte, die er sonst nicht gehabt hätte.


Bis zu jenem Tage, an dem er vom Erstligisten ausgewählt wurde und sich mit fünfzehn Jahren in einer Gruppe von jungen Männern seines Alters wiederfand, um eine professionelle Laufbahn einzuschlagen. Die Unsicherheit der Gegner war verschwunden, die Räume auf dem Platz wurden kleiner, die Tore wurden weniger. Von seinem Talent war im Spiel nur noch selten etwas zu sehen. Sein Talent war ab diesem Zeitpunkt Alles was er noch hatte. Für ihn galt es an seinem Selbstbild festzuhalten und sich inständig davon zu überzeugen. Scheiterte er am Gegner, hieß es seinerseits, dass er "nicht ernst gemacht" hätte. Er reagierte mit Frust, schob es auf die Schuhe, beschwerte sich über den Rasen und gab grundsätzlich früher auf als alle anderen. Letztlich um seine weiße, talentierte Weste nicht zu beschmutzen. Zusätzliche Bemühungen waren ein Laster und für einen talentierten Sportler wie ihn nicht nötig. Er wurde zornig und ignorierte Kritik, wurde neidisch auf das positive Feedback, welches seine Teamkameraden erhielten und ließ sich zu guter Letzt von deren Erfolg einschüchtern und verließ geschlagen das Team.


Neun Monate sollte es dauern, bis er wieder in der Auswahl aufgenommen wurde. Mit einem neuen Bewusstsein. Mit einem neuen Selbstbewusstsein. Nachdem jemand erkannt hatte, dass es weniger an seinem Talent oder fußballerischen Können lag. Sondern mehr wie es dazu kam. Nämlich durch das Scheitern als er versuchte das kleine Hockeytor auf der anderen Seite des Gartens zu treffen. Die unzähligen Stunden in denen er versuchte den Ball in seinem Zimmer zu jonglieren. Als er sich von den Tipps seines älteren Bruders hat inspirieren lassen. Es waren die unzähligen Stunden der Bemühung, des persönlichen Einsatzes und die Freude an den kleinen Erfolgen. Diese innere Haltung war es, was ihn mit Hilfe seines Talents zu einem bemerkenswerten Fußballer machte.


Es ging um Progression statt Perfektion. Es ging um Motivation durch Faszination.


Um das Beispiel der Geschichte aufzugreifen; Talent ist angeboren, gottgegeben oder wird zugesprochen. Das Schaubild verwendet hierfür die Thematik der Intelligenz. In beiden Fällen ist ein "fixed Mindset" der Überzeugung, dass dies unveränderlich ist. Daraus entsteht die Tendenz sich selbst und andere im Glauben zu lassen man sei intelligent bzw. talentiert. Was diesen Glauben in Frage stellt, seien es Herausforderungen, Widerstände oder Kritik werden gezielt umgangen. Das Resultat ist oftmals das Menschen, die an dieser Einstellung gebunden sind, unter ihrem eigentlichen Potential bleiben und ein deterministisches Weltbild entwickeln. Hingegen ist es einem "growth Mindset" möglich ist, zu lernen, zu wachsen, sich weiterzuentwickeln und letztlich ein höheres Niveau zu erreichen, durch ein Gefühl des freien Willens und der Möglichkeit seiner Intuition folgen zu können und zu dürfen.


© Nigel Holmes


©2020 by Mario Danzer.